Sichtbeton

Bereits die Römer nutzten unter dem Namen „opus caementitium“ vor 2000 Jahren einen betonartigen Baustoff. Durch die Formbarkeit des Materials während der Verarbeitung und die hohe Druckfestigkeit und Wasserunlöslichkeit durch Zumischung von Vulkangestein nach der Erhärtung existieren noch heute grossartige Zeitzeugen. Hierfür wurden Bruchsteine, Sand, Wasser, gebranntem Kalk und Vulkangestein, auch Puzzolane genannt verwendet.

Pantheon in Rom: um 125 n.Chr. die grösste Beton-Kuppel der Welt

 

Die heutige Betonzusammensetzung unterscheidet sich durch die Verwendung von Zement als Bindemittel anstelle der Puzzolane:

  • Zement
  • Sand, Kies oder Splitt
  • Wasser
  • bauchemische Zusätze nach Bedarf

 

Erscheinungsbild des Sichtbeton

Als Planer kannst Du das Erscheinungsbild des fertig ausgeführten Sichtbetons über diverse Anforderungen definieren:

  • Ortbeton oder vorfabriziertes Betonelement
  • Gestaltung der Schalhaut
    • Brettschalung
    • Glatte Schalung
    • Matrizen / Matrizenschalung
    • Filtervliese
    • OSB-Platten
  • Oberflächenbearbeitung
    • Waschbetonoberfläche
    • Fotobeton
    • Gesäuerte Oberflächen
    • Strahlen mit festen Strahlmitteln
    • Steinmetzmässige Bearbeitung
  • Farbliche Gestaltung von Sichtbetonflächen
  • Ausbildung der Bindstellen / Bindlöcher

 

In der SIA Norm 118/262 werden definiert:
(Inhaltsverzeichnis und Bildbeispiele siehe Download-Bereich unten)

  • Schalungsarten (Anhang B)
  • Schalungstypen (Anhang C)
  • Beschaffenheit nicht geschalter Betonflächen

Die SIA Norm unterscheidet bei der Oberflächenbearbeitung zwischen am noch nicht erhärteteten und am erhärteteten Beton.

In jedem Fall empfehle ich Dir mit Deinem Auftraggeber und dem ausführenden Baumeister bzw. Rohbauer die Anforderungen an den Sichtbeton im Detail jeweils zu besprechen und zu vereinbaren.
Die Anforderungen der Sichtbetonklasse SB4 sind ohne Betonkosmetik kaum zu erfüllen. Daher sollte eine „Betonkosmetik“ bereits in der Planung berücksichtigt und in der Ausschreibung gesondert berücksichtigt werden!

Sichtbeton-Vergleich: links mit vorfabrizierte Elemente, rechts in Ortbeton

 

Sichtbetonklassen

Anforderung Sichtbetonklasse Beispiel Schalhautklasse Kosten
gering SB 1 Kellerwände oder Bereiche mit
vorwiegend gewerblicher Nutzung
SHK 1 niedrig
normal SB 2 Treppenhausräume; Stützwände SHK 2 mittel
besonders SB 3 Fassaden im Hochbau SHK 2 hoch
  SB 4 repräsentative Bauteile im Hochbau SHK 3 sehr hoch

Beispiel einer gleichmässig ausgerichteten Brettschalung an Wand und Decke 

 

Anforderungen an Schalhautklasse

Kriterium SHK 1 SHK 2 SHK 3
Bohrlöcher mit Kunststoffstöpsel zu verschließen als Reparaturstellen zulässig nicht zulässig
Nagel- und Schraublöcher zulässig ohne Absplitterungen zulässig als Reparaturstellen in Abstimmung mit
dem Auftraggeber zulässig
Beschädigung der Schalhaut durch Innenrüttler zulässig nicht zulässig nicht zulässig
Kratzer zulässig als Reparaturstellen zulässig als Reparaturstellen in Abstimmung mit
dem Auftraggeber zulässig
Betonreste in Vertiefungen (Nagellöchern; Kratern etc.)
zulässig, keine flächigen Anhaftungen
nicht zulässig nicht zulässig
Zementschleier zulässig zulässig in Abstimmung mit dem Auftraggeber
zulässig
Aufquellen der Schalhaut im Schraubbzw.
Nagelbereich („Ripplings“)
zulässig nicht zulässig nicht zulässig
Reparaturstellen zulässig zulässig in Abstimmung mit dem Auftraggeber
zulässig

 

Farbtongleichmässigkeit

Sichtbetonklasse Farbtongleichmässigkeit Anforderung
SB 1 FT 1 Hell-/Dunkelverfärbungen sind zulässig
    Rost- und Schmutzflecken sind unzulässig
SB 2, SB 3 FT 2 gleichmäßige, großflächige Hell-/Dunkelverfärbungen sind zulässig
    unterschiedliche Arten und Vorbehandlung der
Schalhaut, Ausgangsstoffe verschiedener Art
und Herkunft sind unzulässig
SB 4 FT 3 geringe Hell-/Dunkelverfärbungen sind
zulässig (z.B. leichte Wolkenbildung, geringe
Farbtonabweichungen)
    großflächige Verfärbungen durch
• unterschiedliche Art der Schalhaut
• unsachgemäße Vorbehandlung
• Ausgangsstoffe verschiedener Art
und Herkunft
• ungeeignete Nachbehandlung
sind unzulässig
    Rost- und Schmutzflecken sowie deutlich
sichtbare Schütt lagen sind unzulässig
    Auswahl eines besonderen und geeigneten
Trennmittels ist notwendig

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